Trendwende in der Papierindustrie bleibt auch im ersten Halbjahr 2026 aus

Produktion und Umsatz der deutschen Papier- und Zellstoffindustrie weiter rückläufig / Schlechte Standortbedingungen bleiben zentrale Belastung / Verbandspräsident Hans-Christoph Gallenkamp: „Die wirtschaftspolitischen Reformen müssen jetzt Fahrt aufnehmen. Ein weiteres Jahr des Stillstands darf es nicht geben.“

Berlin, 6. August 2026 – Die wirtschaftliche Lage der deutschen Papier- und Zellstoffindustrie hat sich im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zur Vorjahresperiode nicht verbessert. Die infolge des Iran-Krieges ausgebremste Konjunktur belastete Nachfrage und Preise. Als Grundstoffindustrie bleibt die Branche eng an die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und internationaler Wertschöpfungsketten gebunden. Produktion und Umsatz gingen weiter zurück: Die Produktionsmenge sank auf 9,4 Millionen Tonnen (-1,4 Prozent), der Umsatz auf 6,9 Milliarden Euro (-7,1 Prozent).

Verpackungspapiere blieben mit 6,4 Millionen Tonnen (+/-0 Prozent) die mengenmäßig größte Sparte und standen für mehr als 67 Prozent der Gesamtproduktion. Technische und Spezialpapiere behaupteten sich trotz geringerer Mengen (722.000 Tonnen, -0,8 Prozent) als wichtige Absatz- und Erlössäule. Grafische Papiere erreichten mit 18 Prozent den zweitgrößten Produktionsanteil, gingen aber erneut deutlich um 6,9 Prozent auf 1,7 Millionen Tonnen zurück. Auch Hygienepapiere lagen mit 658.000 Tonnen 2,0 Prozent unter dem Vorjahr.

Strukturelle Belastungen nehmen zu
Die Entwicklung in der Papier- und Zellstoffindustrie im ersten Halbjahr spiegelt das schwierige gesamtwirtschaftliche Umfeld wider. Schwache Investitionen und eine verhaltene industrielle Nachfrage bremsen die konjunkturelle Erholung. Gleichzeitig wird die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts durch hohe Energiekosten, Bürokratie und steigende Sozialabgaben belastet, die die Arbeitskosten erhöhen und die Kaufkraft der privaten Haushalte schwächen. Geopolitische Unsicherheiten beeinträchtigen zusätzlich das Vertrauen von Unternehmen und Verbraucher:innen und belasten internationale Liefer- und Handelsströme. Als energieintensive Grundstoffindustrie reagiert die Papier- und Zellstoffindustrie besonders sensibel auf diese Rahmenbedingungen.

Reformen zügig umsetzen
Entscheidend wird nun sein, wie schnell sich die Konjunktur erholt. Die Politik sieht der Verband dabei in der Pflicht, die angekündigten Reformen ohne Verzögerung umzusetzen. Dazu gehören vor allem ein schnellerer Netzausbau, eine leistungsfähige Infrastruktur und deutlich beschleunigte Genehmigungsverfahren. Hans-Christoph Gallenkamp, Präsident des Verbands DIE PAPIERINDUSTRIE, fordert: „Die wirtschaftspolitischen Reformen müssen jetzt Fahrt aufnehmen. Ein weiteres Jahr des Stillstands darf es nicht geben.“
Der Verband fordert dauerhaft wettbewerbsfähigere Energiekosten, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie einen umfassenden Abbau bürokratischer Belastungen und Berichtspflichten. Auch die sozialen Sicherungssysteme müssen stabilisiert und stärker auf Beschäftigungs- und Leistungsanreize ausgerichtet werden. Dies sind die Voraussetzungen für künftige Investitionen in hochmoderne Produktionsanlagen, um langfristig Wertschöpfung und Beschäftigung am Standort Deutschland sichern zu können. „Industrielle Wettbewerbsfähigkeit muss wieder Leitprinzip politischen Handelns werden. Unternehmen investieren nur, wenn die Standortbedingungen stimmen“, so Gallenkamp.

Transformation braucht verlässliche Rahmenbedingungen
Statt Investitionen in klimaneutrale Produktion zu erleichtern, belasten zusätzliche Kosten und bürokratische Vorgaben die Unternehmen zunehmend. Das gilt insbesondere für die geplante ETS-Reform. Der Vorschlag der Europäischen Kommission, Unternehmen zu möglicherweise unwirtschaftlichen Investitionen in Höhe der freien Zuteilung zu verpflichten, stößt auf deutliche Kritik der Industrie. Aus Sicht des Verbands würde dies den Carbon-Leakage-Schutz faktisch beenden und die Unternehmen genau um den Wert belasten, der ihnen im internationalen Wettbewerb als Ausgleich zustehen soll. Ebenfalls kritisiert der Verband, dass zwar richtigerweise die Fallback-Benchmarks korrigiert werden, die Produktbenchmarks aber außen vor gelassen werden.

„Die Unternehmen stehen zur Transformation. Häufig fehlen jedoch zentrale Voraussetzungen – von klimaneutralen Energieträgern über ausreichende Netzkapazitäten bis zu marktreifen Technologien. Wer unter diesen Bedingungen immer neue Auflagen schafft, gefährdet Investitionen und beschleunigt die Deindustrialisierung des Standorts“, betont Gallenkamp.

Detaillierte Informationen sind unter folgendem Link zu finden: Paper Facts & Figures 2026/1